Ein Interview mit dem Königspaar

Ein Interview mit dem Königspaar



Ein Interview mit dem Königspaar

„Schützenkönig in Wevelinghoven? Das kann wirklich jeder werden!“
Er ist jemand, den man landläufig als echten „Kirmesdoll“ bezeichnen kann: Seine Majestät Markus Odenthal (41), im wirklichen Leben als Abteilungsleiter eines amerikanischen Versicherungsmaklers in Düsseldorf tätig, hatte schon als kleiner Knirps den Wunsch, einmal Schützenkönig von Wevelinghoven zu sein. Seine Frau Verena (34) musste er dafür erst begeistern – inzwischen ist allerdings auch die IT-Consulterin und Computer-Fachfrau vom Schützenvirus infiziert. Gemeinsam freuen sich die beiden unbändig auf den Höhepunkt ihrer Regentschaft – das Schützenfest 2010 in Wevelinghoven. Im Interview haben Sie uns vorab Rede und Antwort gestanden und dabei interessante Einblicke in ihr Regierungsjahr und Privatleben gegeben.
Frage: Markus, erinnerst Du Dich noch an den Vogelschuss im vergangenen Jahr?
Markus Odenthal: Natürlich. Ich war hypernervös, obwohl ich der einzige Kandidat war. Frühmorgens konnte ich schon nicht mehr schlafen, ich war total aufgeregt. Bis zum letzten Moment hab´ ich gezittert, weil es ja durchaus möglich war, dass sich noch ein weiterer Kandidat meldet. Es gab diesbezüglich viele Gerüchte. Als das Schießen dann pünktlich begonnen hat wusste ich, dass ich den Vogel nur noch runterholen muss und dann Schützenkönig bin.
Frage: Du wolltest schon als Kind König werden. Warum?
Markus Odenthal: Ich fand das immer ganz toll. In der Kutsche sitzen und durch den Ort fahren, das ganze Regiment sehen, für mich gab es nichts Schöneres. Das war mein Herzenswunsch. In diesem Jahr hat es sich einfach angeboten. Mein Scheibenschützencorps hat 40jähriges Jubiläum, mein Zug feiert Zehnjähriges. Da hab ich mir gesagt: Jetzt oder nie.
Frage: Verena, wie war das für Dich, musste Markus Dich erst überzeugen?
Verena Odenthal: Absolut. Es hat Jahre gedauert, bis ich mich entschlossen hab´, mitzumachen. Es gab sogar Zeiten, da hab ich geschworen, dass ich das nie machen würde.
Frage: Warum warst Du so strikt dagegen?
Verena Odenthal: Markus und ich feiern gerne, wie sind absolute Party-Menschen. Ich war lange Zeit der Meinung, dass man als Königspaar sehr vielen Vorgaben und Regeln unterliegt und gar nicht richtig mitfeiern kann. Deshalb war ich zunächst lange Zeit strikt dagegen und sehr zurückhaltend.
Markus Odenthal: Man ist ja anfangs auch ein bisschen verunsichert, weil der Vorstand jedem Bewerber ja auch eine Fibel mit allerlei Regeln präsentiert. Da werden Fragen behandelt wie „Was passiert, wenn die Königin schwanger wird?“ oder „wie geht´s weiter, wenn sich das Königspaar trennt“.
Frage: Letztlich habt Ihr Euch aber doch dazu entschieden, Königspaar zu werden. Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht?
Markus Odenthal: Es ist ein einzigartiges Jahr. Wir haben viele tolle Veranstaltungen besucht, Freunde gefunden und Dinge erlebt, die wir nicht mehr vergessen werden. Ich kann sagen, dass das Königsjahr neben meiner Hochzeit für mich das bislang tollste Erlebnis war.
Frage: Stichwort Hochzeit. Wie habt Ihr Euch kennengelernt?
Verena Odenthal: Das war 1997. Ich komme aus Anstel und war damals aktiv in der Tanzgruppe „New Generation“. Ich kannte den Bruder von Markus, der damals im Wevelinghovener Fanfarencorps gespielt hat. Im „Rosengarten“ in Grevenbroich haben wir damals zu irgendwelchen Schlagern von Wolfgang Petry zum ersten Mal zusammen getanzt. Danach hab´ ich ihn ganz lange zappeln lassen. Meine Schwester sollte ihn immer wieder am Telefon abwimmeln, aber er war hartnäckig…
Markus Odenthal:…sie war´s mir wert! 2003 haben wir dann geheiratet. Den Heiratsantrag hab ich ihr in Paris auf dem Eiffelturm gemacht, den entsprechenden Ring hatte ich vorher in Antwerpen gekauft. Geheiratet haben wir im Kloster Langwaden.
Frage: Ihr seid beide beruflich stark eingebunden. Wer kocht bei Euch?
Markus Odenthal: Ich!
Frage: Und was kann er besonders gut?
Markus Odenthal (lacht): Jetzt sag bloß nicht: Was von der Pommesbude holen…
Verena Odenthal: Nein, er kocht wirklich gut. Egal ob aus dem Wok oder traditionelle Gerichte. Schnitzel kann er richtig gut. Ich koche ab und zu auch, zum Beispiel vietnamesisch. Mein Opa war Vietnamese, wir haben heute noch viele Verwandte dort.
Frage: Wie schaltet Ihr abends nach der Arbeit ab?
Markus Odenthal: Eigentlich lassen wir uns beim Fernsehen vielfach durch Sendungen berieseln, die schon fast ein bisschen peinlich sind. Wir sind große Fans von „Bauer sucht Frau“, die Thailänderin Narumol finden wir ganz toll – Ihr Spruch ´ich bin fick und fertig´ ist legendär.
Frage: Wer Schützenkönig wird, spricht ungern über Geld und die Kosten. Ist so ein Jahr der Regentschaft teuer?
Markus Odenthal: Es ist so, dass man von Vornherein von Seiten des BSV-Vorstands erfährt, welche Kosten auf einen zukommen. Natürlich wird hier nur eine gewisse Mindestsumme genannt, der König hat viele Gestaltungsmöglichkeiten. Es fallen Kosten für die Kleider der Königin an, für Orden und für verschiedene Feierlichkeiten. Wir haben darauf gespart, wenn wir dafür einen Kredit hätten aufnehmen müssen, hätten wir es nicht gemacht.
Verena Odenthal: Ich bin der Meinung, dass jeder – wirklich jeder Schütze – in Wevelinghoven auch König werden kann. Die Kosten halten sich in Grenzen, der Vorstand des Bürgerschützenvereins achtet sehr darauf, dass es eigentlich jeder machen kann.
Frage: Warum treten dann beim Vogelschuss nur so wenige Kandidaten an?
Verena Odenthal: Das hat sicherlich verschiedene Gründe. Viele Menschen glauben nicht, dass es auch mit einem kleineren Portmonee geht, das haben wir in vielen Gesprächen gehört. Andere wollen nicht so gerne im Mittelpunkt stehen. Natürlich sollte man auch etwas Zeit für die verschiedenen Veranstaltungen einplanen. Auch hier gilt aber: Das Königspaar entscheidet selbst, welche Veranstaltungen es besucht. Man kann sich die Zeit schon einteilen, auch der Vorstand hilft uns bei der Koordination.
Markus Odenthal: Ich hoffe, dass es künftig wieder mehr Kandidaten gibt. Wir stellen immerhin das größte Regiment im Stadtgebiet. Es sollte mehr Schützen geben, die König werden wollen.
Frage: Welche besonderen Ereignisse aus den letzten Monaten sind Euch im Gedächtnis geblieben?
Markus Odenthal: Wir haben viele tolle Veranstaltungen besucht, zum Beispiel bei befreundeten Schützenvereinen in Grevenbroich oder Kapellen. Kuriose Begegnungen gab es spätnachts, entweder bei McDonalds oder in der Grevenbroicher Pizzeria Etna. Da gucken die Leute schon mal ein bisschen komisch, wenn Du da um 5 Uhr morgens mit Königskette und Ballkleid einmarschierst, das war schon witzig…
Frage: Verena, auf welche Kleider dürfen sich die Besucher während des Schützenfestes freuen?
Verena Odenthal: Ich habe die Garderobe komplett in Düsseldorf gekauft, Freundinnen und meine Schwester waren mit mir hier shoppen. Insgesamt hab´ ich vier Kleider gekauft.
Frage: Was kosten solche Kleider?
Verena Odenthal: Bis zu 1500 Euro. Das Teuerste trage ich am Kirmessonntag.
Markus Odenthal: Ich bin sehr gespannt, hab die Kleider teilweise selbst noch nicht gesehen…
Frage: Der Höhepunkt Eurer Regentschaft steht ja dementsprechend erst noch bevor. Was erwartet Ihr von den Schützenfesttagen?
Markus Odenthal: Eines können wir jetzt schon sagen: Am Schützenfest-Dienstag zur Krönung meines Nachfolgers werde ich nicht erscheinen. Die Königskette gebe ich nicht mehr ab – aber Spaß beiseite: Ich denke, dass ich das für uns ein sehr emotionaler Moment werden wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass da bei uns auch Tränen fließen. Es war einfach eine herrliche Zeit, die ich nicht missen möchte. Natürlich hoffen wir auch darauf, dass wir während der Kirmestage gutes Wetter haben – denn alles ist planbar, nur nicht das Wetter.
Abschließend sollten die beiden Majestäten noch 10 Sätze ergänzen – mit diesem Ergebnis:
Markus Odenthal:
Wenn ich als König wirklich etwas entscheiden dürfte, dann würde ich…dreimal im Jahr Schützenfest feiern
Ideales Kirmeswetter wäre für mich…22 Grad und sonnig.
An der Imbißbude auf dem Kirmesplatz esse ich am liebsten…Schinkenbraten. Übrigens hab´ ich da auch letztes Jahr mal ausgeholfen, mit gelber Schürze.
Ich tanze im Zelt wenn die Musik diese drei Titel spielt: Sie liebt den DJ / Narcotic / Movie Star
Wenn ich BSV-Präsident wäre, würde ich…alles zum Wohle der Schützen tun
Wir wohnen nicht in Wevelinghoven, sondern in Grevenbroich, weil…es in Wevelinghoven keine passende Wohnung gab
Verena:
Meine Kleider während der Kirmestage sind… so, dass ich immernoch ich selbst sein kann
Ich tanze im Zelt wenn die Musik diese drei Titel spielt: I am what I am / Italienische Sehnsucht / Narcotic
Wenn ich Angela Merkel wäre…hätte ich Karten für das Endspiel der Fußball-WM
Wenn es am Kirmessonntag heiß ist und mir jemand ein Eis bringen möchte, dann sollte er mir die Sorte…Tiramisu bringen.